FACHABTEILUNG KLINISCHE UND GESUNDHEITS-PSYCHOLOGIE


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Qualifikationskriterien

Für die eigenverantwortliche Ausübung der Gesundheitspsychologie und der Klinischen Psychologie (unabängig davon, ob dies freiberuflich oder im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses erfolgt) ist nach der geltenden Gesetzeslage (PG 2013) der Erwerb der Berufsberechtigung im Bereich der Gesundheitspsychologie bzw. Klinischen Psychologie sowie die Eintragung in die entsprechenden Berufslisten beim BMGF erforderlich. Dafür gibt es derzeit noch zwei mögliche Zugänge:

 

A. Eintragung in die Berufslisten nach PG 1990 iVm § 48 Abs. 1 und 2 PG 2013 (Übergangsbestimmungen)

Für den Erwerb der Berufsbezeichnungen Klinische PsychologIn und GesundheitspsychologIn sind eine theoretische Ausbildung im Ausmaß von mindestens 160 Stunden, eine fachliche Praxis von mindestens 1480 Stunden sowie 120 Stunden Supervision nachzuweisen.

1. Erwerb theoretisch-fachlicher Kompetenz:

Lehrgang für Klinische und Gesundheits-Psychologie bei einem nach den Bestimmungen des PG 1990 anerkannten Anbieter im Ausmaß von mindestens 160 Stunden à 60 Minuten: Der Lehrgang muss nachweislich noch vor dem 1. 7. 2014 (Inkrafttreten des PG 2013) begonnen und spätestens am 30.6. 2016 mit gültigem Zertifikat abgeschlossen worden sein.

Eine Anerkennung unabgeschlossener theoretischer Ausbildungen für eine Eintragung nach PG 1990 ist nicht mehr möglich. Die absolvierten Ausbildungsschritte können jedoch nach dem Kriterium der Gleichwertigkeit auf die theoretische Ausbildung nach PG 2013 (siehe unten) angerechnet werden.

2. Details zum Erwerb praktisch-fachlicher Kompetenz:

Der Erwerb praktischer fachlicher Kompetenz kann derzeit noch nach den Bestimmungen des PG 1990 fortgesetzt und abgeschlossen werden. Die Anträge auf Eintragung in die Berufslisten müssen bis spätestens 30. 6. 2019 beim BMGF eingelangt sein (Merkblatt zur Eintragung, Formulare siehe Downloads).

  • Für den Erwerb des Titels Klinische/r Psychologe/In sind mindestens 800 Stunden Praxis in einer so genannten facheinschlägigen Einrichtung des Gesundheitswesens (z.B. Spitäler, Ambulatorien u.ä. mit klinikartigem Setting, abgekürzt "FE") zu absolvieren, wobei 150 Stunden innerhalb eines Jahres zu erfolgen haben.
  • Für den Erwerb des Titels GesundheitspsychologIn sind innerhalb eines Jahres mindestens 150 Stunden Praxis in einer facheinschlägigen Einrichtung des Gesundheitswesens (FE-Einrichtung) zu absolvieren.

Werden beide Titel gleichzeitig angestrebt, ist der Nachweis von mindestens 800 Stunden in einer FE-Einrichtung zu erbringen. Die restlichen Stunden (auf 1480) können ebenfalls in einer FE-Einrichtung, aber auch in einer sonstigen Einrichtung des Gesundheits- oder Sozialwesens absolviert werden. ‚FE-Einrichtungen' zeichnen sich durch multiprofessionelle Zusammenarbeit verschiedener Gesundheits- und Sozialberufe bei der Diagnostik und Behandlung verschiedener krankheitswertiger Störungen aus, wobei die systematische Zusammenarbeit insbesondere mit ÄrztInnen zumindest einmal pro Woche fallbezogen und routinemäßig vorgesehen sein muss.   

Sonstige Einrichtungen des Gesundheitswesens     
In ‚KPL-Einrichtungen' (klinisch-psychologischen Einrichtungen) werden schwerpunktmäßig klinisch-psychologische Tätigkeiten wie klinisch-psychologische Diagnostik und darauf gründende Behandlung und Beratung durchgeführt. Die fallweise Anwesenheit einer/s Ärztin/Arztes und Multiprofessionalität sind nicht erforderlich.
GPL-Einrichtungen' (gesundheitspsychologische Einrichtungen) zeichnen sich durch psychologische Diagnostik, Beratung und Projekte im Zusammenhang mit Prävention, Gesundheitsförderung, Gesundheitsvor- und -nachsorge aus. Die Tätigkeit bezieht sich auf Personen, Personengruppen oder institutionelle Settings. Die fallweise Anwesenheit einer/s Ärztin/Arztes und Multiprofessionalität sind nicht erforderlich.     
Die Liste der anerkannten Ausbildungseinrichtungen (FE-, KPL- und GPL-Einrichtungen) findet sich auf der Homepage des BMG, wird aber nicht mehr systematisch aktualisiert (http://einrichtungen.ehealth.gv.at/SucheEinrichtung.aspx).
Praktisch-fachliche Tätigkeiten in einer nicht eingetragenen Einrichtung können auch ‚Ad-Personam' angerechnet werden, hierbei ist das entsprechende Rasterzeugnis (siehe Downloads) besonders sorgfältig und ausführlich auszufüllen. Es wird geraten, sich bereits vor Beginn der Tätigkeit vom jeweiligen Lehrgangsanbieter beraten zu lassen, um abzuklären, ob die Tätigkeit den Richtlinien einer Anerkennung genügt.

3. Supervision:

Die praktisch-fachliche Tätigkeit muss gleichzeitig durch Supervision im Ausmaß von mindestens 120 Stunden begleitet werden. Zur Supervision berechtigt sind Klinische PsychologInnen und GesundheitspsychologInnen, die mindestens 5 Jahre in die Listen der Klinischen bzw. Gesundheits-PsychologInnen des BMGF eingetragen sind.

4. Sozialversicherungspflicht für Klinische und Gesundheits-PsychologInnen in Ausbildung:

Gemäß § 4 Abs. 1 Z 4 des ASVG sind Personen, die das Hochschulstudium der Psychologie abgeschlossen haben und eine Ausbildung zur Erlangung der Berufsbezeichnung ‚Klinische und/oder Gesundheits-PsychologIn' absolvieren wollen - sofern dies nicht in einem Dienstverhältnis erfolgt - zur Vollversicherung anzumelden, auch wenn sie diese Ausbildung  unbezahlt oder gegen ein „Taschengeld“ absolvieren. D.h. die jeweilige Einrichtung hat für die/den Auszubildenden - wenn diese/r keine Bezüge erhält oder mit der Einrichtung in keinem Dienstverhältnis steht - Kranken-, Unfall-, Pensions- und Arbeitslosenversicherungsbeiträge zu bezahlen! Die Versicherungspflicht gilt auf jeden Fall, auch wenn die/der Auszubildende bereits anderweitig sozialversichert ist.        
Im Fall einer unbezahlten Tätigkeit gilt als Beitragsgrundlage ein im § 44 Abs. 1 Z 2 des ASVG festgelegter fiktiver täglicher Arbeitsverdienst (entspricht einem monatlichen Verdienst vom Eineinhalbfachen der „Geringfügigkeitsgrenze“. Der abzuführende Sozialversicherungsbeitrag (Dienstnehmer- und Dienstgeberbeitrag) ist zur Gänze durch den Dienstgeber zu bezahlen. Im Fall eines „Taschengeldes“ ist dieses die Beitragsgrundlage, der Dienstnehmerbeitrag kann vom „Taschengeld“ abgezogen werden. Die Vollversicherungspflicht kann bis 5 Jahre rückwirkend geltend gemacht werden.



Details zur Sozialversicherungspflicht

 

 

B. Eintragung in die Berufslisten nach PG 2013

1. Details zum Erwerb theoretisch-fachlicher Kompetenz:

siehe Lehrgang.

 

Werden beide Berufsberechtigungen angestrebt, so sind das gemeinsame Grundmodul sowie beide Aufbaumodule (GP und KP) zu absolvieren.

 

2. Details zum Erwerb praktisch-fachlicher Kompetenz:

a) Klinische Psychologie

Für den Erwerb der Berufsberechtigung im Bereich der Klinischen Psychologie sind mindestens 2098 Stunden klinisch-psychologischer Tätigkeit im Zusammenhang mit krankheitswertigen Störungen, unter Anleitung und Fachaufsicht einer/s Klinischen Psychologin/en mit zumindest zweijähriger Berufserfahrung und zumindest teilweise in multiprofessioneller Zusammenarbeit mit anderen Gesundheitsberufen, insb. ÄrztInnen, zu absolvieren (jeweils mindestens 500 Stunden sind begleitend zum Theoriegrundmodul bzw. zum Aufbaumodul zu absolvieren).

         
Diese Tätigkeit soll zu möglichst gleichen Teilen bestehen aus:  
- Diagnostik psychischer Störungen und Krankheiten, sowie psychologischer Aspekte bei anderen Krankheiten           
- klinisch-psychologischer Behandlung bei psychischen Krankheiten bei verschiedenen Störungsbildern und Altersgruppen        
- Maßnahmen der Gesundheitsvorsorge und Gesundheitsförderung in der primären Gesundheitsversorgung
- Teilnahme an Teamgesprächen, Visiten und Besprechungen in multiprofessioneller Zusammenarbeit


Die Tätigkeit ist mit dem vom BMGF aufgelegten Rasterzeugnis Klinische Psychologie zu beschreiben und nachzuweisen. 

b) Gesundheitspsychologie   

    
Für den Erwerb der Berufsberechtigung im Bereich der Gesundheitspsychologie sind mindestens 1553 Stunden gesundheitspsychologischer Tätigkeit unter Anleitung und Fachaufsicht einer/s Gesundheitspsychologin/en mit zumindest zweijähriger Berufserfahrung zu absolvieren (jeweils mindestens 500 Stunden sind begleitend zum Theoriegrundmodul bzw. zum Aufbaumodul zu absolvieren).

 

Diese Tätigkeit soll zu möglichst gleichen Teilen bestehen aus:             
- Beratung von Personen bzw. Institutionen bzgl. der gesundheitsfördernden Aspekte individuellen Verhaltens bzw. bzgl. verschiedener Einflussfaktoren auf die körperliche und psychische Gesundheit          
- gesundheitspsychologische Diagnostik und Behandlung von Personen unterschiedlicher Altersstufen und Gruppen in Bezug auf psychische Aspekte gesundheitsbezogenen Risikoverhaltens
- Planung, Durchführung und Evaluation von gesundheitsfördernden Maßnahmen und Projekten in verschiedenen Settings     
- MitarbeiterInnen- und teambezogene Aufgaben im Rahmen multiprofessioneller Zusammenarbeit (insbesondere) mit anderen Gesundheitsberufen (mind. 300 Std.) 

        
Die Tätigkeit ist mit dem vom BMGF aufgelegten Rasterzeugnis Gesundheitspsychologie zu beschreiben und nachzuweisen.
  

Werden beide Berufsberechtigungen angestrebt, ist der Nachweis durch die entsprechenden Zeugnisse jeweils separat zu erbringen. Es wird empfohlen, darauf zu achten, dass sich die Tätigkeitsbilder so ergänzen bzw. überschneiden, dass eine Vice-versa-Anrechnung möglich ist und sich die erforderlichen Praxisstunden nicht addieren.

 

Die (Vor)Begutachtung und Prüfung der Rasterzeugnisse im Hinblick auf die Erfüllung der Ausbildungsvorschriften liegt bei den Theorieausbildungseinrichtungen.

 

3. Supervision:

Die praktisch-fachliche Tätigkeit muss gleichzeitig durch Fallsupervision (GP: mindestens 100 Einheiten, KP: mindestens 120 Einheiten) Stunden begleitet werden, ein Teil davon (GP: 30 Einheiten, KP: 40 Einheiten) in Einzelsupervision. Maximal 50 Einheiten Supervision können beim/bei der fachanleitenden Klinischen bzw. Gesundheits-Psychologen/in gemacht werden, der Rest hat bei jemand anderen zu erfolgen. Zur Supervision berechtigt sind Klinische PsychologInnen (für KP) bzw. GesundheitspsychologInnen (für GP), die mindestens 5 Jahre in die Listen der Klinischen bzw. Gesundheits-PsychologInnen des BMGF eingetragen sind.

4. Selbsterfahrung:

Im Zusammenhang mit der klinisch-psychologischen bzw. gesundheitspsychologischen Ausbildung ist Selbsterfahrung im Ausmaß von 76 Einheiten zu absolvieren, davon 40 Einheiten in Einzelselbsterfahrung. Die Selbsterfahrung darf nur von Klinischen bzw. Gesundheits-PsychologInnen, PsychotherapeutInnen oder FachärztInnen für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin, die selbst mindestens 120 Einheiten Selbsterfahrung absolviert haben, geleitet werden. Eine Personenidentität mit fachanleitenden PsychologInnen (Punkt 2) bzw. SupervisorInnen (Punkt 3) ist nicht zulässig.

5. Sozialversicherungspflicht für Klinische und Gesundheits-PsychologInnen in Ausbildung:

Siehe oben Punkt 4. Auch wenn es durch das PG 2013 explizit nicht vorgesehen ist, kann es dazu kommen, dass geeignete geringfügig oder unbezahlte Tätigkeiten auf die praktische Ausbildung über ein Anrechnungsverfahren (§11 PG 2013) angerechnet werden. Dann gelten die oben angeführten Regelungen sinngemäß.

 

6. Prüfungen:

  • Das Grundmodul wird mit einer schriftlichen theoretischen Wissensprüfung anhand von Fragenkatalogen abgeschlossen.
  • Das (die) Aufbaumodul(e) wird durch die Erstellung zweier selbst durchgeführter Fallstudien (für KP) bzw. einer selbst durchgeführten Fallstudie und einer selbst (mit)erstellten Projektarbeit abgeschlossen. Diese sind durch eine/n Lehrbeauftragten der Theorieausbildungseinrichtung zu bewerten.
  • Nach Vorlage der Nachweise über die praktische Ausbildung (Rasterzeugnisse) sowie die absolvierte Supervision und Selbsterfahrung bei der theoretischen Ausbildungseinrichtung ist eine kommissionelle mündliche Abschlussprüfung abzulegen. Die Kommission besteht aus drei vom BMGF zu benennenden Personen.
Mit bestandener Abschlussprüfung kann der Antrag auf Eintragung in die Berufslisten gestellt werden. (Merkblatt)

 


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